Die Branche steht hinter den Klimazielen der EU, warnt aber, dass die derzeitige VECTO-Methodik die Emissionen erhöhen, Arbeitsplätze kosten und die Deindustrialisierung weiter vorantreiben könnte.
Koningshooikt (Lier), Belgien – 6. Juli 2026. Die CEOs von 30 führenden europäischen Anhängerherstellern trafen sich vergangene Woche in Koningshooikt bei Lier und unterzeichneten im Beisein der beiden Mitglieder des Europäischen Parlaments Kris Van Dijck (Belgien) und Jens Gieseke (Deutschland) eine gemeinsame Erklärung und Petition. Sie fordern die Europäische Kommission und das Europäische Parlament auf, die Verordnung (EU) 2024/1610 zu überprüfen und anzupassen. Unternehmen, die sonst um dieselben Kunden und Aufträge konkurrieren, sprachen mit einer Stimme: Sie unterstützen die Klimaziele der EU, warnen aber, dass die Regeln in ihrer jetzigen Ausgestaltung die CO₂-Emissionen eher erhöhen als senken könnten.
Die Verordnung (EU) 2024/1610 weitet die CO₂-Vorgaben auf Anhänger aus, obwohl Anhänger selbst kein CO₂ ausstoßen. Die Hersteller werden für simulierte Emissionen verantwortlich gemacht, die mit dem VECTO-Tool berechnet werden, das auf standardisierten Referenzlasten und Fahrzyklen beruht. Die Unterzeichner argumentieren, dass diese Methodik die betrieblichen Realitäten des europäischen Straßentransports nicht abbildet: die Vielfalt der Anhängereinsätze, die tatsächlichen Nutzlast- und Ladeanforderungen oder den raschen Anstieg emissionsfreier Zugmaschinen.
Ihre zentrale Warnung: Um die Ziele zu erreichen, könnten Hersteller zu Konstruktionsänderungen gedrängt werden, die die nutzbare Ladekapazität verringern. Die Folge wären mehr Fahrten, mehr Leerfahrten und mehr Fahrzeuge auf der Straße, um dieselbe Gütermenge zu bewegen – und damit mehr CO₂, nicht weniger. Ab 2030 würde eine Überschreitungsprämie von 4.250 € je gCO₂/tkm über dem Zielwert, multipliziert mit jedem zugelassenen Fahrzeug, die Hersteller jährlichen Strafzahlungen in Millionenhöhe aussetzen. Rund 70.000 Arbeitsplätze in ganz Europa hängen von einer wirtschaftlich tragfähigen Anhängerindustrie ab.
Die Petition enthält fünf Forderungen:
„Man kann der europäischen Industrie nicht auftragen, den grünen Wandel anzuführen, und ihr zugleich den Wettbewerb unmöglich machen. Die Anhängerbranche ist bereit zu liefern, aber die Ziele müssen technisch erreichbar sein. Wir brauchen jetzt, 2026, eine evidenzbasierte Überprüfung – nicht 2027, wenn der Schaden womöglich schon angerichtet ist“, sagte der Europaabgeordnete Jens Gieseke.
„Heute haben dreißig Wettbewerber ihre Rivalität beiseitegelegt, um Brüssel eine einzige Botschaft zu senden. Wir fordern nicht weniger Klimaschutz. Wir fordern Regeln, die Emissionen senken, statt Hersteller für eine fehlerhafte Simulation zu bestrafen. Die Überprüfung nach Artikel 15 muss vorgezogen werden – jeder Monat Verzögerung kostet Investitionen, Arbeitsplätze und Glaubwürdigkeit“, sagte Gero Schulze Isfort, Sprecher der Streitgemeinschaft von acht führenden deutschen Anhängerherstellern.
Die gemeinsame Erklärung und Petition wurde von den CEOs von 30 europäischen Anhängerherstellern unterzeichnet.